Ernst Haeckel

Ernst Haeckel (1834–1919) war ein deutscher Naturforscher und Philosoph. Als konsequenter Vertreter der Abstammungstheorie trieb er deren Verbreitung voran und erweiterte sie innerhalb eines monistischen Weltbildes.

Leben und Laufbahn

Ernst Haeckel wurde am 16. Februar 1834 in Potsdam geboren. Als Schüler interessierte sich Ernst Haeckel besonders für die Botanik. In seiner Berufswahl folgte er zunächst dem Wunsch der Eltern und studierte Medizin, beschäftigte aber weiter mit biologischen Studien. Er erforschte niedere Meerestiere und promovierte 1857 zu Flusskrebsen. Nach dem medizinischen Staatsexamen in 1858 gab Haeckel die Medizin auf und wendete sich der vergleichenden Anatomie und der Zoologie zu. Während einer Forschungsreise entdeckte er über 100 neue Strahlentierchen (Radiolaren) und habilitierte sich 1861 an der Universität Jena mit einer Arbeit zur Ordnung der Wurzelfüßer (Rhizopoden). 1862 wurde Ernst Haeckel zum außerordentlichen Professor für vergleichende Anatomie an die Medizinische Fakultät der Universität Jena berufen. 1865 wurde Haeckel Ordinarius für Zoologie an der Universität Jena, wo er zeit seines Lebens blieb. Haeckel heiratete (nachdem seine erste Frau verstarb) 1867 Agnes Huschke und hatte mit ihr drei Kinder. Nach dem Tod Ernst Haeckels am 9. August 1919 ging sein Wohnsitz Villa Medusa mit Nachlass an die Universität Jena über, die 1920 das Ernst-Haeckel-Museum in der Villa Medusa eröffnete.

Ernst Haeckel

Ernst Haeckel befasste sich mit der Morphologie, Entwicklungsgeschichte und Systematik niederer Meerestiere.

Werk

In der Zoologie befasste sich Ernst Haeckel mit der Morphologie, Entwicklungsgeschichte und Systematik niederer Meerestiere. Er beschrieb über 4000 neue Arten dieser Tiere und schuf bedeutende Grundlagen für deren weitere Erforschung. Seine Forschungen zu Seetieren betrieb er zunehmend als Grundlagenforschung zur Evolution von Tieren und Menschen.

Haeckels Werk entstand unter zentralem Einfluss der Evolutionstheorie Charles Darwins (1809-1882). Einerseits forcierte Haeckel den Ausbau der Evolutionstheorie, andererseits verfolgte er die Weiterentwicklung seines Monismus unter strikter Ablehnung einer Trennung von Geist und Materie. Daraus entwickelte er in zahlreichen Publikationen Vorschläge für die Entwicklungslehre und biologische Forschung, so unter Anderem:

  • Formulierung der biogenetischen Grundregel (Die Entwicklung einzelner Organismen (Ontogenese) rekapituliert die Entwicklung ihrer Gattung (Phylogenese).)
  • Einteilung früher Stadien der Embryonalentwicklung in Morula, Blastula und Gastrula
  • Theorie eines gemeinsamen Ursprungs der vielzelligen Tiere
  • Formulierung des Begriffs der Ökologie.

Rezeptionen und Kritik

Sigmund Freud (1857–1937) faszinierte die biogenetische Grundregel zur theoretischen Ausarbeitung der Psychoanalyse. Der Psychologie Stanley Hall (1844 –1924) unterstützte die Übertragung der Grundregel auf die Erforschung der kindlichen Verhaltensentwicklung für die Entwicklungspsychologie. Haeckels Tafelwerk „Kunstformen der Natur“ wurde zur Designvorlage für Kunst und Architektur anfangs des 20. Jahrhunderts.

Kritisch und kontrovers wird Ernst Haeckel vor Allem als Vertreter des Sozialdarwinismus, der Rassentheorie und als Befürworter der Eugenik betrachtet.

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